Mittwoch, 26. August 2015
Sonntag, 5. April 2015
Digitale Geräte in Schülerhand, aber wie? ¯\_(ツ)_/¯
Vorweg:
Dieser Artikel ist in leicht veränderter Form im Jahresbericht meiner Schule erschienen. Ich habe ihn verfasst, um auf diesem Wege Eltern, Schüler und das Kollegium auf das vorzubereiten, was da kommen wird.
Wir erleben seit Jahrzehnten einen immer schneller fortschreitenden gesellschaftlichen Wandel durch elektronische Medien. Hierbei spielt die veränderte Nutzung des Internets vom redaktionell kuratierten Abfragemedium über das "Mitmach-Web" 2.0 bis zu unserem stets verfügbaren, mobilen Netz eine entscheidende Rolle. Wissen ist immer und überall abrufbar, Lernen findet ad hoc und selbstbestimmt statt. Eine Schule, die sich dieser Entwicklung bewahrpädagogisch verschließt, entfernt sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler. Eine gesunde Mischung der Methoden und Arbeitsformen im Unterricht bedeutet in dieser Situation, dass es Schülern mehr als bisher ermöglicht werden sollte, mit Computern zu arbeiten und zu lernen.
Relevanz
Die Frage, warum Schüler im Unterricht mit digitalen Geräten arbeiten sollten, lässt sich nicht nur mit den veränderten Lebens- und Lernwegen beantworten, sondern vor allem mit der veränderten gesellschaftlichen Relevanz. Zum einen wird politische Teilhabe zunehmend in Sozialen Netzwerken, Foren und Blogs, mit Posts, Kommentaren und e-Petitionen wahrgenommen. Zum anderen erfordern die beruflichen Arbeitsbedingungen heutzutage ein Mindestmaß an Medienkompetenz, die ein zügiges Anpassen an sich verändernde Programme und Endgeräte ebenso einschließt, wie die Fähigkeit zur kollaborativen und vernetzten Arbeit. Des Weiteren wird das Hochschulstudium seit einigen Jahren um E-Learning-Anteile und Moocs (Massive Open Online Courses) ergänzt. Die hierbei geforderte Medienkompetenz ist ein Teil der Studierfähigkeit, die unsere Schüler erlangen sollen.
Mehrwert
Darüber hinaus lässt sich die Frage, warum Schüler im Unterricht mit digitalen Geräten arbeiten sollten mit dem Mehrwert digitaler Medien und Methoden beantworten. Interaktive Arbeitsmittel bieten anschaulichen Ersatz, sollten originale Lehrgegenstände nicht verfügbar sein. Als Beispiel sein hier Vulkanismus oder Genetik genannt. Die Unterrichtgegenstände dieser Themen lassen sich schwerlich live und direkt beobachten und beeinflussen. Mit entsprechender Software jedoch sehr wohl.
Ganz allgemein ist es mit Informationstechnik möglich, die seit der Industrialisierung zunächst wichtige uniforme Wissensvermittlung mit dem gleichen Lehrwerk und im gleichen Lerntempo für völlig verschiedene Individuen mit unterschiedlichen Begabungen und Vorerfahrungen aufzubrechen und differenziertere Lernangebote zu schaffen. Das ist zwar auch mit analogen Medien und Methoden möglich, der Aufwand dies zu realisieren ist aber um ein Vielfaches höher. OER (Open Educational Ressources) bieten hier die Möglichkeit legaler, produktiver und kreativer Erstellung, Veränderung und Verbreitung von Arbeitsmitteln und Schülerergebnissen, auch auf digitalem Wege. Computer werden von den Lernenden als Arbeitsgeräte wahrgenommen, als Werkzeuge und Instrumente kreativer Schaffensprozesse. Das ist eine gänzlich andere Sicht- und Handlungsweise, als wenn die Geräte nur zum Spielen und zu beiläufiger Kommunikation Verwendung finden.
Im Übrigen kann ein internetgestützter Unterricht den Schülern ein selbstbestimmtes, selbstorganisiertes und selbstverantwortetes Lernen erleichtern. Da Wissensspeicher externalisiert zur Verfügung stehen ist ein individuelles Arbeiten besser möglich, als bei lehrerzentriertem Unterricht ohne entsprechende Technik.
Und nun? Wie bekommt man die Schüler an die Geräte?
Viele Schulen haben sich bereits vor Jahrzehnten diese Frage gestellt und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Computerräume wurden (auch bei uns) eingerichtet, Laptopwagen angeschafft und Tablet-Klassen ausgestattet. Aus der Wirtschaft übernahmen manche das BYOD-Prinzip (Bring Your Own Device), bei dem jeder Lernende ein Gerät seiner Wahl mitbringt und dieses in den Unterricht eingebunden wird.
Manche dieser Maßnahmen und Konzepte haben erstaunliche und kreative Ergebnisse hervorgebracht, andere sind grandios gescheitert. Eine Schule, die sich auf den Weg macht, muss hier also nicht das Rad neu erfinden sondern kann von den Erfolgen und Misserfolgen anderer lernen. Dabei gilt: jede dieser Lösungen hat Vor- und Nachteile.
Konzepte, Konzepte, Konzepte
Ehe Geld für den Ausbau der technischen Infrastruktur einer Schule in die Hand genommen wird, empfiehlt es sich, einige Eckpunkte festzulegen. Häufig wird zunächst intensiv über eben diese Technik diskutiert. Bei der Vielfalt der Geräte fällt die Entscheidung schwer. Sollten sie eine Tastatur haben? Wie schwer dürfen sie sein, wie groß der Bildschirm und welches Betriebssystem ist das richtige? Dabei sind die Fragen, ob Apple oder Linux, ob Tablet oder Netbook, ob 8-, 10- oder 15-Zoll-Bildschirm die richtige Wahl ist, gar nicht die drängendsten.
Im Wesentlichen lässt sich eine Entscheidungsgrundlage auf wenige Fragen reduzieren:
1. Was soll man mit den Geräten machen können?
2. Welcher Administrations- und Wartungsaufwand käme auf die Schule zu?
3. Lassen sich diese Computer sozialverträglich finanzieren?
| Gerätewahl - Grundlagen der Entscheidungsfindung |
1. Was soll man mit den Geräten machen können?
Ein Schüler-Computer sollte tragbar und WLAN-fähig sein. Das trifft auf fast alle mobilen Endgeräte zu. Man hat so die Möglichkeit, sich sämtliche Internetquellen „in den Unterricht“ zu holen, daran mitzugestalten, Kommunikation auf diesem Wege zu ermöglichen und zahlreiche Webdienste zu nutzen. Mit einem „einfachen“ BYOD-Konzept lässt sich so der Unterricht bereits erheblich aufwerten. Ob auch gemeinsam Apps und Programme genutzt werden können, hängt davon ab, ob eine einheitliche Ausstattung gewünscht ist, was die Unterrichtsplanung erleichtern würde, oder ob vielfältige Geräte zugelassen werden, was die allgemeine, betreibssystemunabhängige Medienkompetenz steigern würde. Sollen z. B. das elektronische Wörterbuch und der grafikfähige Taschenrechner ersetzt werden ist es (zumindest in den höheren Jahrgangsstufen) von Vorteil, wenn die Programme einheitlich sind, was (fast) nur realisiert werden kann, wenn auf allen Rechnern das gleiche Betriebssystem installiert ist. Hier sind BYOD-Konzepten Grenzen gesetzt. Ferner könnten bei einer gelenkten, einheitlichen Ausstattung die Tablets oder Netbooks gegebenenfalls auch für Klassenarbeiten und Abiturklausuren genutzt werden. Abgesehen von den rechtlichen Bedingungen ist dies ein zwar technisch lösbares aber nicht triviales Problem, das von allen beteiligten Lehrenden mitgetragen werden müsste.
2. Welcher Administrations- und Wartungsaufwand käme auf die Schule zu?
Schulen besitzen eine Vielzahl von Computern. Häufig waren zu Beginn der Technisierung einzelne Kollegen, meist Informatiker, damit beauftragt, die eigene Infrastruktur am Laufen zu halten. Je mehr Rechner kamen, desto höher wurde die Belastung des Kollegen, bis irgendwann ein unzumutbar hoher Arbeitsaufwand entstand. Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten, diesem Problem zu begegnen. Entweder wird ein Vertrag mit einem kommerziellen Dienstleister geschlossen, der zumindest für die Wartung und Reparatur der Schulrechner verantwortlich ist oder ein Techniker wird angestellt. Die dritte Option besteht darin, keine weiteren schuleigenen Gerate anzuschaffen. Wenn stattdessen schülereigene Geräte in den Unterricht eingebunden werden, ist jede Familie weitgehend selbst verantwortlich für die Reparatur der Geräte. Aber auch hier sind pauschale, schulweite Verträge mit IT-Dienstleistern möglich, häufig unterstützt durch Schüler-AGs, die bei einfachen Defekten und Einstellungsproblemen helfen können.
Anfallende Administrationsaufgaben verbleiben häufig, zumindest teilweise, in der Schule, sollten jedoch so weit wie möglich automatisiert und vereinfacht werden. Selbst schülereigene Geräte werden zuweilen von der Schule administriert, um einen einheitlichen Arbeitsbereich zu gewährleisten.
3. Finanzierung
Sollen Schüler öfter als bisher mit Computern arbeiten und lernen können, wird Geld nötig sein, um diese Geräte anzuschaffen und betriebsfähig zu halten. Daran führt kein Weg vorbei. Zur Finanzierung kommen im Wesentlichen drei Gruppen in Frage: die Schule selbst, die Eltern und Unternehmen bzw. Organisationen. Häufig findet man eine Mischfinanzierung sowie verschiedene Instrumente und Regelungen, die die Anschaffung sozialverträglich finanzierbar machen. Langjährige Ansparmodelle, ein schulisches Leihgerätekonzept, solidarische Sammelbestellungen oder auch besondere Härtefallregelungen haben an anderen Schulen bereits eine Ausstattung der Schülerschaft ermöglicht.
Und das ist erst der Anfang
Natürlich ist es nicht damit getan, die Technik zu besorgen. Sie will auch gewinnbringend eingesetzt werden. Das übergeordnete (Digitale-)Medien-Konzept muss Fortbildungen, Evaluationen und Verantwortlichkeiten formulieren, die die neue technische Infrastruktur in Schülerhand mit einbezieht. Sollten einzelne Fachschaften sich auf verpflichtende, konkrete, digitale Lerninhalte oder -methoden verständigen können, wäre auch das ein wichtiger Punkt in solch einem Konzept.
Dienstag, 17. Februar 2015
Kollegiale Medienberatung: Webinar-Happening mit Nüsschen
Der 12. Februar war ein ereignisreicher Tag ...
6: 38 Uhr - Gedanken vorweg
Heute Abend werde ich in meiner Schule eine Fortbildungsveranstaltung für mein Kollegium anbieten. Dabei soll zweierlei gelernt werden:
1. wie eine Online-Fortbildung abläuft
2. wie man Tablets als Whiteboard-Ersatz im Unterricht nutzen kann
Wir nutzen dabei das Portal fortbildung-online. Hier bieten Institutionen der Länder Schleswig-Holstein, Saarland und Rheinland-Pfalz kostenlose Veranstaltungen an, an denen interessierte LehrerInnen per Livestream teilnehmen können. Häufig wird ein Vortrag gehalten, gefolgt von einer Frage- und Diskussionsrunde. Neben dem Präsentationsfenster ist ein Chat integriert, so dass ein Dialog stattfinden kann.
Das heutige Angebot trägt den Titel ¨Der Tablet-PC als interaktives Whiteboard im Unterricht¨.
In meinem Medienberater-Newsletter habe ich bereits häufiger auf Webinar-Angebote hingewiesen und zurückgemeldet bekommen, dass die von mir ausgewählten Themen durchaus interessant seien... aber teilgenommen haben wohl die wenigsten. Zu groß erscheinen vielen die technischen Hürden. Vielleicht ist auch die Vorstellung alleine lernend vor dem PC zu sitzen ungewohnt.
Deshalb veranstalte ich heute Abend diese gesellige, lehrreiche Veranstaltung. Wir werden uns bereits eine halbe Stunde vor Webinarbeginn treffen, um das Anmeldeprocedere einmal durchzuspielen und dann gemeinsam an der Fortbildung teilzunehmen. Per Beamer auf großer Leinwand. Ich hoffe, so bei den KollegInnen Berührungsängste abbauen zu können, die gegenüber Online-Fortbildungen noch bestehen und dasssie wir so ganz nebenbei auch einiges über den Einsatz von Tablets im Unterricht erfahren. Im Anschluss an das Webinar ist eine kurze interne Diskussionsrunde geplant.
Heute Abend werde ich in meiner Schule eine Fortbildungsveranstaltung für mein Kollegium anbieten. Dabei soll zweierlei gelernt werden:
1. wie eine Online-Fortbildung abläuft
2. wie man Tablets als Whiteboard-Ersatz im Unterricht nutzen kann
Das heutige Angebot trägt den Titel ¨Der Tablet-PC als interaktives Whiteboard im Unterricht¨.
Deshalb veranstalte ich heute Abend diese gesellige, lehrreiche Veranstaltung. Wir werden uns bereits eine halbe Stunde vor Webinarbeginn treffen, um das Anmeldeprocedere einmal durchzuspielen und dann gemeinsam an der Fortbildung teilzunehmen. Per Beamer auf großer Leinwand. Ich hoffe, so bei den KollegInnen Berührungsängste abbauen zu können, die gegenüber Online-Fortbildungen noch bestehen und dass
Zwei KollegInnen haben sich eingetragen. Einer wird zudem vom heimischen Schreibtisch aus teilnehmen. Zwei weitere haben starkes Interesse bekundet, jedoch andere Verpflichtungen. Die späte Uhrzeit und das für Nicht-Tablet-Besitzer eher lebensweltferne Thema vermute ich als Ursache für die mäßige Beteiligung. Denn geringes Interesse an Medientechnik im Unterricht kann ich meinem Kollegium nicht vorwerfen. Eine ActivBoard-Schulung in der vergangenen Woche (im Anschluss an den Unterricht) war beispielsweise sehr gut besucht.
Ich hoffe nun auf eine ertragreiche Veranstaltung und dass sich herumspricht, wie lohnenswert es war, so dass sich beim nächsten Mal mehr Interessenten finden. Aber wie sagt man so schön: Die, die da sind, sind genau die richtigen!
18:45 - gleich geht es los
Ich bereite den Informatikraum vor. Der Beamer ist an, der Lehrerrechner startet und die Verbindung klappt. Das war meine größte Sorge. Dass wir aufgrund irgendwelcher fehlender Plugins den Stream nicht starten können. Admin-Rechte habe ich nämlich nicht.
Dann hätten wir uns um ein kleines Tablet kuscheln müssen. Aber es hat ja funktioniert.
Die beiden Mitstreiter loggen sich ebenfalls ein, jeder an einem eigenen PC. Das ist wichtig, damit sie während des Vortrags individuell am Chat teilnehmen können. Eine Besonderheit an einer gemeinsamen Teilnahme an einem Webinar, das eigentlich für das einsame Arbeitszimmer gedacht ist, ist, dass man sich nicht nur über die Tastatur austauschen kann. Ich bin gespannt: wird während des Vortrags in unserer kleinen Runde eine Diskussion zustande kommen? Und ist dies überhaupt wünschenswert? Schließlich haben dann nur wir etwas von der Diskussion und alle anderen Online-Teilnehmer bekommen davon nichts mit.
Auf der anderen Seite wäre es befremdlich, wenn wir eine gemeinsame Veranstaltung abhielten und uns nur anschwiegen bzw. schriftlich kommunizierten.
Ich war mir bei der Planung der Veranstaltung nicht sicher, ob unsere Bandbreite reichen würde, den Livestream auf zahlreichen Rechnern gleichzeitig laufen zu lassen. Aber da wir letztlich doch nur zu dritt vor Ort sind, sollte das keine Probleme bereiten.
Da die KollegInnen sich im Vorfeld per Mail für die Veranstaltung angemeldet haben (das war dem Veranstalter wichtig) kann es gleich losgehen.
22:12 - vorbei
Die Veranstaltung ist gelaufen. Alles hat gut geklappt. Die Übertragung war klar und deutlich ohne Ruckler oder Abstürze. Außerdem hat ein Kollege leckere Nüsschen mitgebracht, was der neugierig-entspannten Atmosphäre durchaus zuträglich war. :-)
Auch inhaltlich und vom Ablauf waren meine beiden Mitstreiter zufrieden.
Und ja, es wurde gefachsimpelt. Und zwar vor allem mündlich. Der Chat wurde zwar mitverfolgt aber kaum aktiv genutzt. Vielleicht war die Situation noch zu ungewohnt oder das persönliche Gespräch verlockender bzw. informativ genug.
Ich bereite den Informatikraum vor. Der Beamer ist an, der Lehrerrechner startet und die Verbindung klappt. Das war meine größte Sorge. Dass wir aufgrund irgendwelcher fehlender Plugins den Stream nicht starten können. Admin-Rechte habe ich nämlich nicht.
Dann hätten wir uns um ein kleines Tablet kuscheln müssen. Aber es hat ja funktioniert.
Die beiden Mitstreiter loggen sich ebenfalls ein, jeder an einem eigenen PC. Das ist wichtig, damit sie während des Vortrags individuell am Chat teilnehmen können. Eine Besonderheit an einer gemeinsamen Teilnahme an einem Webinar, das eigentlich für das einsame Arbeitszimmer gedacht ist, ist, dass man sich nicht nur über die Tastatur austauschen kann. Ich bin gespannt: wird während des Vortrags in unserer kleinen Runde eine Diskussion zustande kommen? Und ist dies überhaupt wünschenswert? Schließlich haben dann nur wir etwas von der Diskussion und alle anderen Online-Teilnehmer bekommen davon nichts mit.
Auf der anderen Seite wäre es befremdlich, wenn wir eine gemeinsame Veranstaltung abhielten und uns nur anschwiegen bzw. schriftlich kommunizierten.
Ich war mir bei der Planung der Veranstaltung nicht sicher, ob unsere Bandbreite reichen würde, den Livestream auf zahlreichen Rechnern gleichzeitig laufen zu lassen. Aber da wir letztlich doch nur zu dritt vor Ort sind, sollte das keine Probleme bereiten.
Da die KollegInnen sich im Vorfeld per Mail für die Veranstaltung angemeldet haben (das war dem Veranstalter wichtig) kann es gleich losgehen.
Die Veranstaltung ist gelaufen. Alles hat gut geklappt. Die Übertragung war klar und deutlich ohne Ruckler oder Abstürze. Außerdem hat ein Kollege leckere Nüsschen mitgebracht, was der neugierig-entspannten Atmosphäre durchaus zuträglich war. :-)
Auch inhaltlich und vom Ablauf waren meine beiden Mitstreiter zufrieden.
Und ja, es wurde gefachsimpelt. Und zwar vor allem mündlich. Der Chat wurde zwar mitverfolgt aber kaum aktiv genutzt. Vielleicht war die Situation noch zu ungewohnt oder das persönliche Gespräch verlockender bzw. informativ genug.
Aufgrund des langen Tages und der fortgeschrittenen Stunde fiel die Abschlussbesprechung kurz aus.
Ich werde auf jeden Fall noch einmal eine ähnliche Veranstaltung anbieten. Vielleicht findet sich ja ein Webinar, das nachmittags stattfindet und fachbezogener ist. Meiner Erfahrung nach ist das für viele attraktiver. Und vielleicht bewerbe ich das dann auch über die Grenze der Schule hinaus. Mag ja sein, dass es Interessierte in den Nachbarschulen gibt, die Lust haben, die weite Welt des Online-Lernens kennenzulernen.
Von da aus wäre es dann auch nicht mehr weit zu einem ersten mooc.
Ich denke, diesen hier, zum Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht, werde ich mal bewerben.
Hört sich hervorragend an. Mal schauen, ob noch wer mitmacht.
Freitag, 13. Februar 2015
Wie berät man sein Kollegium? Oder: Kanal-Wahl
Zu Beginn meiner Tätigkeit als Lehrer fiel mir auf, dass die in der Schule vorhandene Technik vom Kollegium kaum genutzt wurde. Dies war einer der Gründe, warum ich, mit Erfolg, um die Etablierung und Finanzierung (m)eines medienberatenden Postens bat. Meine (selbstgewählte) Aufgabe wurde es, meinen KollegInnen die Vorzüge digitalen Arbeitens und Lehrens näher zu bringen, ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite zu stehen und Fortbildungen anzubieten.
Die erste Entscheidung, die ich zu treffen hatte, war die Wahl des Kommunikationswegs. Wie erreicht man sein Kollegium?
Twitter
Zunächst versuchte ich Twitter als Verbreitungskanal für zahlreiche Hinweise zu frei nutzbaren Materialien im Netz, interessanten Berichten und Fortbildungsangeboten etc. zu etablieren. Die Entscheidung für Twitter fiel vor allem aus praktischen Gesichtspunkten, da man hier seinen Microblog von jedem Computer und vor allem vom Smartphone aus mit minimalem Aufwand pflegen kann.
Damals konnte man Tweets noch per RSS abonnieren, deshalb versuchte ich, parallel zu der Werbung für www.twitter.com/medienberater im Kollegium, auch die Vorteile von RSS-Readern als Sammelstelle für Interessantes und beruflich Wertvolles in Fortbildungen und Peer-Gesprächen zu vermitteln. Meine Idee war es, zur Etablierung eines PLN anzuregen.
Allerdings war die Resonanz auf meine Twitteraktivitäten gering. Sehr gering. Twitter war 2009 für die KollegInnen ein extrem nerdiges Nischenangebot und das Wort "Abonnieren" war gedanklich wohl mit Aufwand und Kosten verbunden und deshalb abschreckend. Am ehesten wurde davon Notiz genommen, wenn ich die Tweets ausgedruckt an mein Infobrett (s.u.) heftete.
Newsletter
Mein neu entworfener E-Mail-Newsletter enthielt zunächst inhaltlich nicht viel mehr, als in meinen Tweets zu finden war. Allerdings mit den typischen Ausprägungen eines klassischen Newsletters: einer persönlichen Ansprache, einer freundlichen Verabschiedung, thematischen Abgrenzungen und Erläuterungen zu den Link-Tipps, die länger sein durften als 140 Zeichen. Und endlich bekam ich auch Feedback. Anscheinend hatte ich den richtigen Kommunikationskanal gefunden.
In einem Twitterchat (EdchatDE) irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2014, kam ich auf eben diesen Newsletter zusprechen schreiben. Man bat mich, ihn öffentlich verfügbar zu machen. Nach einigen Monaten habe ich nun endlich Zeit gefunden, dieses Vorhaben umzusetzen. Als Plattform wählte ich Evernote, da hier die jeweiligen Ausgaben getaggt und durchsucht werden können. Außerdem können andere Evernote-Nutzer das Notizbuch einfach in ihren eigenen Account einbinden. Natürlich ist es auch mit jedem Browser und ohne Evernotekonto einsehbar.
Da diese Newsletter z. T. auch mit internen Schulinformationen versehen sind, muss ich den ein oder anderen Punkt in der öffentlichen Variante herausnehmen und mit dem Hinweis "intern" versehen.
Das ganze ist hier zu finden.
Das Brett
Was wäre ein Berater ohne Aushänge? Gerade in Schulen läuft sehr viel über diesen Weg. Es gibt Mitteilungsbücher, Infotafeln, Aufsteller, Monitore und bei besonderen Ankündigungen sogar Flipchartständer, die im Kampf um Aufmerksamkeit die Wände und Ablagen eines Lehrerzimmers in Beschlag nehmen. Ganz zu schweigen von den "wilden" Plakatieraktionen an Schränken, Tischen und Türzargen. Ich beantragte und besorgte mir also ein Aushangbrett, das seit dem an gut sichtbarer Stelle im Lehrerzimmer über (meine) Fortbildungsangebote informierte.
Anfangs hing ich tatsächlich auch einige Tweets aus. Später dann den Newsletter, technische Anleitungen (zum Beispiel zum Anmeldeprocedere bei unseren schuleigenen Laptops) sowie empfehlenswerte Artikel aus Fachzeitschriften.
Aus reiner Spielerei habe ich mein Brett wie ein ActivBoard dekoriert. Es hat Menüleisten und sogar einen kleinen Papierkorb :-) [muss noch ein aktuelles Bild nachreichen...]
Unter dem Brett ist ein Prospekthalter für Flyer oder aktuelle Literatur. Da kommt zum Beispiel die aktuelle L.A. multimedia rein. Oben drüber möchte ich noch ein Regal haben, da sich inzwischen einige Literatur angesammelt hat.
Mit meinen derzeitigen Informationswegen bin ich recht zufrieden. Mein Twitteraccount spielt für die direkte kollegiale Beratung (nach wie vor) keine Rolle, hat sich inzwischen aber zu meinem persönlichen Netzwerkknoten Nr. 1 entwickelt. Hier halte ich Kontakt zu anderen bildungs-, medien- und technikaffinen Menschen, von denen sich manch einer ebenfalls fragt, wie man Lehrer am besten erreichen kann...
Die erste Entscheidung, die ich zu treffen hatte, war die Wahl des Kommunikationswegs. Wie erreicht man sein Kollegium?
Zunächst versuchte ich Twitter als Verbreitungskanal für zahlreiche Hinweise zu frei nutzbaren Materialien im Netz, interessanten Berichten und Fortbildungsangeboten etc. zu etablieren. Die Entscheidung für Twitter fiel vor allem aus praktischen Gesichtspunkten, da man hier seinen Microblog von jedem Computer und vor allem vom Smartphone aus mit minimalem Aufwand pflegen kann.
www.podcast.de zeigt Angebote zu regelmäßigen Video- und Audiosendungen für jedes Unterrichtsfach auf. Auf "Suche" klicken und Fach eingeben
— André Hermes (@Medienberater) 19. November 2009
Mein erster medienberatender TweetDamals konnte man Tweets noch per RSS abonnieren, deshalb versuchte ich, parallel zu der Werbung für www.twitter.com/medienberater im Kollegium, auch die Vorteile von RSS-Readern als Sammelstelle für Interessantes und beruflich Wertvolles in Fortbildungen und Peer-Gesprächen zu vermitteln. Meine Idee war es, zur Etablierung eines PLN anzuregen.
Allerdings war die Resonanz auf meine Twitteraktivitäten gering. Sehr gering. Twitter war 2009 für die KollegInnen ein extrem nerdiges Nischenangebot und das Wort "Abonnieren" war gedanklich wohl mit Aufwand und Kosten verbunden und deshalb abschreckend. Am ehesten wurde davon Notiz genommen, wenn ich die Tweets ausgedruckt an mein Infobrett (s.u.) heftete.
Es soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, Lehrer würden nicht netzwerken und stünden digitalen Kommunikationswegen grundsätzlich ablehnend gegenüber. Ich hatte wohl einfach nur den falschen Kanal gewählt. Ich begann also damit, den Weg zu nutzen, der bereits etabliert war: E-Mail.
Newsletter
Mein neu entworfener E-Mail-Newsletter enthielt zunächst inhaltlich nicht viel mehr, als in meinen Tweets zu finden war. Allerdings mit den typischen Ausprägungen eines klassischen Newsletters: einer persönlichen Ansprache, einer freundlichen Verabschiedung, thematischen Abgrenzungen und Erläuterungen zu den Link-Tipps, die länger sein durften als 140 Zeichen. Und endlich bekam ich auch Feedback. Anscheinend hatte ich den richtigen Kommunikationskanal gefunden.
In einem Twitterchat (EdchatDE) irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2014, kam ich auf eben diesen Newsletter zu
Da diese Newsletter z. T. auch mit internen Schulinformationen versehen sind, muss ich den ein oder anderen Punkt in der öffentlichen Variante herausnehmen und mit dem Hinweis "intern" versehen.
Das ganze ist hier zu finden.
Das Brett
Was wäre ein Berater ohne Aushänge? Gerade in Schulen läuft sehr viel über diesen Weg. Es gibt Mitteilungsbücher, Infotafeln, Aufsteller, Monitore und bei besonderen Ankündigungen sogar Flipchartständer, die im Kampf um Aufmerksamkeit die Wände und Ablagen eines Lehrerzimmers in Beschlag nehmen. Ganz zu schweigen von den "wilden" Plakatieraktionen an Schränken, Tischen und Türzargen. Ich beantragte und besorgte mir also ein Aushangbrett, das seit dem an gut sichtbarer Stelle im Lehrerzimmer über (meine) Fortbildungsangebote informierte.Anfangs hing ich tatsächlich auch einige Tweets aus. Später dann den Newsletter, technische Anleitungen (zum Beispiel zum Anmeldeprocedere bei unseren schuleigenen Laptops) sowie empfehlenswerte Artikel aus Fachzeitschriften.
Aus reiner Spielerei habe ich mein Brett wie ein ActivBoard dekoriert. Es hat Menüleisten und sogar einen kleinen Papierkorb :-) [muss noch ein aktuelles Bild nachreichen...]
Unter dem Brett ist ein Prospekthalter für Flyer oder aktuelle Literatur. Da kommt zum Beispiel die aktuelle L.A. multimedia rein. Oben drüber möchte ich noch ein Regal haben, da sich inzwischen einige Literatur angesammelt hat.
Mit meinen derzeitigen Informationswegen bin ich recht zufrieden. Mein Twitteraccount spielt für die direkte kollegiale Beratung (nach wie vor) keine Rolle, hat sich inzwischen aber zu meinem persönlichen Netzwerkknoten Nr. 1 entwickelt. Hier halte ich Kontakt zu anderen bildungs-, medien- und technikaffinen Menschen, von denen sich manch einer ebenfalls fragt, wie man Lehrer am besten erreichen kann...
Dienstag, 11. November 2014
Ein Plädoyer für ein Fach "Computerkunde"
Ich bin ein Freund von Informationstechnischer Grundbildung (ITG) in der Schule. Gemeint ist damit, bei aller Wertschätzung, nicht etwa das Fach Informatik. Es geht, wie der Name es schon sagt, um Grundbildung. Und zwar von computergestütztem Anwenderwissen, nicht um Programmierung.
Meiner Meinung nach braucht es zumindest in der einen oder anderen Jahrgangsstufe ein entsprechendes Fach, das den Schülerinnen und Schülern die grundlegenden Dinge beim Umgang mit Computer und Internet beibringt.
Andere Schulen versuchen dies (aus Kostengründen oder gar [fälschlich] pädagogisch begründet) auf die einzelnen Fächer zu verteilen.
Dies kann aus meiner Sicht keinesfalls funktionieren. Zwar würde mit viel Aufwand und Engagement (Einzelner) ein übergeordnetes Curriculum verfasst und in die bestehenden Fachcurricula eingebunden werden, vielleicht gäbe es sogar die ein oder andere Schulung für das Kollegium.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass solche Dinge im Sande verlaufen.
Die Gründe sind vielfältig.
Obschon diese Themen in den Fachcurricula stehen, erarbeitet sich nur ein (kleiner) Teil der Schülerschaft tatsächlich entsprechendes Wissen fächerverbindend im Unterricht. Ich kenne kaum Schulen, die von sich sagen können, dass sie auf diesem Weg zum Ziel gekommen sind. Erst recht nicht bei der IT-Bildung.
Das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, digitale Medien gehörten nicht in den Biologie-, Französich, oder Erdkundeunterricht. Ganz im Gegenteil!
Aber eben nicht als Ersatz für den ITG!
Ja, mehr noch: Wenn das Fach ITG die Grundlagen legen würde, dann könnte der Musiklehrer die digitalen Medien wie selbstverständlich nutzen, um sein Fachwissen zu vermitteln. Wären diese Grundlagen nicht da, würde er Stunden damit verbringen über technische Handhabung zu sprechen. Die Schüler müssten alles erst entdecken und das Fachliche (nämlich die Musik) würde entweder zur Nebensache verkommen oder es würde am Ende doch nicht digital gearbeitet werden, da dieses Procedere zu viel Zeit kostete.
Somit kann ein vorgeschalteter ITG alle Fächer entlasten, die (zum Teil berechtigte) Skepsis des Kollegiums gegenüber digitalen Medien im Unterricht abbauen und somit den Schülerinnen und Schülern schullaufbahnbegleitend moderne Arbeitsweisen ermöglichen.
Wenn also ein ITG vorbereitend stattfindet, kann es durchaus sinnvoll sein, die oben beschriebenen Sitzungen der einzelnen Fachgruppen abzuhalten und zu überlegen, wie man digitale Medien in den jeweiligen Unterricht bringt. Und von mir aus kann das dann auch gerne in die Fachcurricula eingetragen werden. Aber bitte mit dem Hinweis auf Freiwilligkeit. Alles andere wäre blauäugig (s.o.).
So wäre es eine ausgezeichnete Fortführung, Vertiefung und Anwendung des Stoffes aus dem ITG, kein Ersatz.
Auf einem der letzten Educamps hatte ich einen entsprechenden Vortrag im Gepäck. Die Präsentation füge ich hier einfach mal ein.
Welche Inhalte könnten nun in solch einem Fach Informationstechnische Grundbildung unterrichtet werden?
Hier ein paar Vorschläge (relativ unsortiert und gerne erweiterbar):
*Diese Aussage „Ich hab’s nicht so mit Computern“ ist seltener geworden. Der durchschnittliche Lehrer verfügt (im Vergleich mit dem Durchschnittsbürger) über eine relativ hohe Kompetenz beim Umgang mit Computern, wie die aktuelle Studie der BITCOM und Aris zeigt.
Er lässt nur leider selten seine Schüler an entsprechende Geräte.
Meiner Meinung nach braucht es zumindest in der einen oder anderen Jahrgangsstufe ein entsprechendes Fach, das den Schülerinnen und Schülern die grundlegenden Dinge beim Umgang mit Computer und Internet beibringt.
Andere Schulen versuchen dies (aus Kostengründen oder gar [fälschlich] pädagogisch begründet) auf die einzelnen Fächer zu verteilen.
Dies kann aus meiner Sicht keinesfalls funktionieren. Zwar würde mit viel Aufwand und Engagement (Einzelner) ein übergeordnetes Curriculum verfasst und in die bestehenden Fachcurricula eingebunden werden, vielleicht gäbe es sogar die ein oder andere Schulung für das Kollegium.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass solche Dinge im Sande verlaufen.
Die Gründe sind vielfältig.
- „Ich habe das in diesem Jahr einfach nicht mehr geschafft.“
- „Ach, das war obligatorisch?“
- „Ich mach das ja schon seit Jahren. Nur halt nicht mit dem Computer. Das geht ja auch.“
- „Ich hab’s versucht. Aber der Computer/Beamer/USB-Stick/[hier irgendwas Technisches einsetzen] funktionierte nicht.“
- „Ich hab’s nicht so mit Computern“*
Obschon diese Themen in den Fachcurricula stehen, erarbeitet sich nur ein (kleiner) Teil der Schülerschaft tatsächlich entsprechendes Wissen fächerverbindend im Unterricht. Ich kenne kaum Schulen, die von sich sagen können, dass sie auf diesem Weg zum Ziel gekommen sind. Erst recht nicht bei der IT-Bildung.
Das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, digitale Medien gehörten nicht in den Biologie-, Französich, oder Erdkundeunterricht. Ganz im Gegenteil!
Aber eben nicht als Ersatz für den ITG!
Ja, mehr noch: Wenn das Fach ITG die Grundlagen legen würde, dann könnte der Musiklehrer die digitalen Medien wie selbstverständlich nutzen, um sein Fachwissen zu vermitteln. Wären diese Grundlagen nicht da, würde er Stunden damit verbringen über technische Handhabung zu sprechen. Die Schüler müssten alles erst entdecken und das Fachliche (nämlich die Musik) würde entweder zur Nebensache verkommen oder es würde am Ende doch nicht digital gearbeitet werden, da dieses Procedere zu viel Zeit kostete.
Somit kann ein vorgeschalteter ITG alle Fächer entlasten, die (zum Teil berechtigte) Skepsis des Kollegiums gegenüber digitalen Medien im Unterricht abbauen und somit den Schülerinnen und Schülern schullaufbahnbegleitend moderne Arbeitsweisen ermöglichen.
Wenn also ein ITG vorbereitend stattfindet, kann es durchaus sinnvoll sein, die oben beschriebenen Sitzungen der einzelnen Fachgruppen abzuhalten und zu überlegen, wie man digitale Medien in den jeweiligen Unterricht bringt. Und von mir aus kann das dann auch gerne in die Fachcurricula eingetragen werden. Aber bitte mit dem Hinweis auf Freiwilligkeit. Alles andere wäre blauäugig (s.o.).
So wäre es eine ausgezeichnete Fortführung, Vertiefung und Anwendung des Stoffes aus dem ITG, kein Ersatz.
Auf einem der letzten Educamps hatte ich einen entsprechenden Vortrag im Gepäck. Die Präsentation füge ich hier einfach mal ein.
Welche Inhalte könnten nun in solch einem Fach Informationstechnische Grundbildung unterrichtet werden?
Hier ein paar Vorschläge (relativ unsortiert und gerne erweiterbar):
- Räumlichkeiten (Informatikräume)
- Netzwerkstruktur der Schule
- Anmeldeprocedere
- Allgemeine Computerkunde (Programme, Drag&Drop, Browser, Taskleiste, Speichern, Suchen etc.)
- 10-Finger-Schreiben (incl. Überprüfung & Zertifizierung)
- OpenOffice Writer
- ggf. Cloud-Lösungen (GoogleDocs, Etherpads)
- Kollaborieren – Teil 1
- OpenOffice Impress
- technische Kompetenzen
- Gestaltungsregeln
- Vortragskompetenz
- ggf. Cloud-Lösungen
- Kollaborieren – Teil 2
- OpenOffice Calc
- ggf. Cloud-Lösungen
- Podcasten
- Mit Foren arbeiten
- Mit Wikis arbeiten
- QR-Codes und URL-Shortener
- Urheberrecht
- CC-Lizenzen
- Plagiate vermeiden
- Suchmaschinen
- Suchstrategien
- Suchergebnisse bewerten
- Algorithmenkompetenz
- Wikipediaartikel bewerten
- Filterblasen und Echokammern
- Sichere Passwörter
- Viren, Würmer & Trojaner
- E-Mail, Spam & Fishingmails
- Chat(bekanntschaften)
- Umgang mit Whatsapp/Facebook
- Recht am Bild
- Mobbing
- Datenschutz/Überwachung
- Medienabhängigkeit
- Gewaltdarstellung in Medien
- OPAC
*Diese Aussage „Ich hab’s nicht so mit Computern“ ist seltener geworden. Der durchschnittliche Lehrer verfügt (im Vergleich mit dem Durchschnittsbürger) über eine relativ hohe Kompetenz beim Umgang mit Computern, wie die aktuelle Studie der BITCOM und Aris zeigt.
Er lässt nur leider selten seine Schüler an entsprechende Geräte.
Mittwoch, 24. September 2014
#DigitalLearner - Hintergedanken zu einer neuen AG
... so sieht die Werbung für meine neue AG aus
wer es nicht sehen kann möge diesen Link probieren: https://infogr.am/digitallearner-68?src=web
... und das sind meine Hintergedanken dabei:
Meine guten Erfahrungen mit dem Einsatz (schülereigener) digitaler Endgeräte scheinen in keinem Verhältnis zum Verlangen der Schüler zu stehen, diese von sich aus einzusetzen.
Auch in diesem neuen Schuljahr habe ich vor allem in verwunderte Gesichter geblickt, wenn ich einer Klasse eröffnete, dass sie in meinem Unterricht auch einen digitalen Ordner führen dürften, sich für die digitale Form des eingeführten Lehrwerks entscheiden könnten und überhaupt gerne ihre eigenen Geräte mitbringen sollten.
Soweit ich das einschätzen kann, liegt das an der fehlenden digitalen "Arbeits-Tradition" in der Schule. Die Schüler sind es einfach nicht gewohnt, regelmäßig Technik auch in der Schule einzusetzen. Infolgedessen fehlt ihnen in diesem Bereich die Erfahrung - viele wissen nicht, welche gewinnbringenden, motivierenden und effizienten Lern- und Arbeitsweisen mit Computern aller Art möglich sind.
In meiner medienberatenden Tätigkeit versuche ich die Kollegen für den Computereinsatz im Unterricht zu begeistern und über Stolpersteine zu informieren. Das wird auch in Zukunft so weiterlaufen. Allerdings möchte ich nun zusätzlich ein "Graswurzelprojekt" starten, damit der Geräteeinsatz nicht nur "von oben", also von den Lehrern eingeplant wird, sondern auch "von unten", von der Schülerschaft aus in den Unterricht hineinwächst.
Wenn Schüler Erfahrungen mit Apps, Programmen und Online-Diensten, die für das Lernen eingesetzt werden können, gesammelt haben, werden sie, so meine Hoffnung, diesen Technikeinsatz auch stärker im Unterricht
So können sich Lehrer und Mitschüler etwas abschauen und die Einsatzmöglichkeiten werden bekannt gemacht.
Das angesprochene "Graswurzelprojekt" ist eine neue AG, die den leider etwas englisch geratenen Titel #DigitalLearner trägt.
Hier sollen die interessierten Schüler das machen, was man bei Educamps unter "Eduhack" versteht. Apps, Programme oder Dienste werden erprobt und für Bildungseinsätze umgenutzt, obwohl sie gar nicht dafür vorgesehen waren. Aber natürlich dürfen auch klassische "Lernapps" ausprobiert werden.
Daraus ergeben sich zwei Schwerpunkte:
- Entwicklung einer eigenen technikgestützten Lern- und Arbeitsweise im Sinne einer papierlosen Schultasche
- Erprobung von technikgestützten Alternativen zu analogen Methoden im Unterricht
In beiden Fällen gilt: wenn etwas erprobt und für gut befunden wird, wird auch darüber berichtet. Dafür wird ein eigenes Blog eingerichtet, das die AG-Teilnehmer mit eigenen Texten, Filmen und Tonbeiträgen füllen. So können die Erfahrungen an die Schülerschaft und das Kollegium (nicht nur unserer Schule) weitergegeben werden.
Da hier der Weg über die Öffentlichkeit gewählt wird, werden Grundlagen des Urheberrechts und die Verwendung freier und offener Lizenzen ein weiterer Bestandteil der AG sein.
Freitag, 11. April 2014
Smartphones im Unterricht - ein Interview
Neulich wurde ich von Christoph Ehlers, Bachelorstudent aus Hannover, angeschrieben. Er bat um eine kurze Beantwortung von sechs Fragen zum Thema Smartphones im Unterricht, für seine Bachelorarbeit.
Da es mir schwer fällt, mich kurz zu fassen, ohne oberflächlich zu sein, habe ich etwas mehr Zeit in die Beantwortung gesteckt. Somit lohnt es sich nun, daraus einen Blogpost zu machen.
Hier also das Interview:
1. Wie verbreitet sind Ihrer Meinung nach Smartphones in der Schule? Also wie viele Schüler besitzen schon ihr eigenes Smartphone?
Wie stark Smartphones durchschnittlich bei Schülern verbreitet sind, kann man an der aktuellen JIM-Studie ablesen. Ich habe den sehr subjektiven Eindruck, dass das an unserer Schule nicht wesentlich anders ist. Die Versorgung mit Smartphones nimmt mit zunehmendem Alter der Schüler zu. Aber auch einige unserer Fünftklässler besitzen bereits Entsprechendes. Kollege André Spang aus Köln hat eine Zeit lang seine Klassen entsprechend befragt und bei manchen nahezu von einer Vollversorgung berichtet.
2. Wie wirkt sich der Einsatz von Smartphones auf die Motivation der Schüler aus?
Unterschiedlich. Noch kann man bei den meisten Schülern Begeisterung wecken, wenn man die Benutzung im Unterricht zulässt. Dies liegt daran, dass es für die meisten eine neue Erfahrung ist und weil sie mit ihrem Gerät Positives verbinden. Mit zunehmender Professionalisierung wird das Smartphone eher zu einem unspektakulären aber nützlichen Werkzeug.
3. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass Schülerinnen und Schüler das Handy während des Unterrichts zu nichtschulischen Zwecken nutzen? (Also Facebook, Whatsapp etc.)
Gering. Die Gefahr, dass sie Zettelchen schreiben oder Käsekästchen spielen halte ich für größer. Aber selbstverständlich passiert das auch bei mir. Und ich gehe davon aus, dass ich dies meistens nicht mitbekomme. Allerdings verhindern klare Regeln und empfindliche Strafen das Ausufern dieser Art von Unterrichtsstörung. Wobei man hier auch die Grenzen des rechtlich Erlaubten bedenken muss. Ein Einziehen und Aufbewahren des Handys ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt und kann selbst dann für den Lehrer erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Bei der Öffnung des Unterrichts in Richtung Internet kommt es unweigerlich ein Stück weit zu einem Kontrollverlust des Lehrers, der sicherlich von Kollegen ganz unterschiedlich belastend wahrgenommen wird. Wie weit man dies zulässt hängt nicht zuletzt auch mit dem Vertrauen zusammen das man seiner Klasse bzw. den einzelnen Schülern entgegenbringt. Ich selbst habe überwiegend positive Erfahrungen sammeln können.
4. Wie gehen Sie vor, wenn manche Schülerinnen oder Schüler noch kein eigenes Smartphone besitzen, Sie aber gerne damit unterrichten würden?
Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:
5. Wie hoch schätzen Sie die Risiken ein, dass Schülerinnen und Schüler durch die Nutzung ihrer Smartphones im Unterricht in Kostenfallen geraten, Seiten mit unkontrollierbaren Inhalten öffnen oder den Datenschutz verletzen?
Die Gefahr in eine Kostenfalle zu geraten - z. B. durch in-App-Käufe besteht immer. Ob nun das schülereigene Gerät im Unterricht oder privat genutzt wird. Hier sollte ein schulisches Medienkonzept, das den Schülern (auch) die Gefahren des Digitalen verdeutlicht, eine Sensibilisierung hervorrufen, die die Schüler befähigt diese Kostenfallen zu erkennen und zu umgehen.
Sollten die Kosten gemeint sein, die entstehen, wenn ein Schüler über sein Mobilfunknetz ins Internet geht, um sich die Lehrfilme anzusehen und am Wiki mitzuarbeiten, so ist zu sagen, dass ein schulisches WLAN diese Kosten (für die Schüler) gänzlich verhindern kann. Sollte es kein solches Netz geben, ist zumindest von einer internetgestützten Smartphonenutzung eher abzusehen.
Die Gefahr der Datenschutzverletzung sehe ich aber tatsächlich. Inwieweit sich Kollegen Gedanken darüber machen, dass viele Nutzungsmöglichkeiten des Internets, sei es bei der Publizierung von Podcasts, Videos, Wikibeiträgen oder von Fotos, die Übertragung personenbezogener Daten mit sich bringen, ist mir nicht bekannt. Meiner Erfahrung nach sind Schüler - vor allem in der Oberstufe - in dieser Hinsicht in hohem Maße sensibilisiert. Sie vermeiden die Nutzung von Klarnamen und fordern dies auch ein. Ferner werden ¨Veröffentlichungen¨, die passwortgeschützt und somit nur der Klasse oder dem Kurs zugänglich sind, deutlich präferiert. Diese Sensibilität mag jedoch eine Kompetenz sein, die erst im Laufe der Jahre entwickelt wird und bei jüngeren Klassen so nicht zu erwarten ist.
Die weitaus größte Gefahr wurde jedoch noch nicht angesprochen. Ich sehe die Gefahr von Urheberrechtsverletzungen als bedeutend an. Jede nicht selbst komponierte Musik, die unter ein Podcast gelegt wurde, jedes Bild, das in ein Wiki oder einen Schülerfilm eingebaut wurde und jede Textpassage, die nicht richtig zitiert, in einem öffentlich zugänglichen Google-Dokument oder Schüler-Blog zu finden ist, birgt die Gefahr einer viele hundert Euro teuren Abmahnung durch Anwälte, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ich gehe davon aus, dass kaum ein Kollege und erst recht kaum ein Schüler alle Fallstricke des Urheberrechts kennt. Hier gilt es, Kollegen wie Schüler über Möglichkeiten und Grenzen zu informieren, damit die Angst vor Abmahnungen nicht dazu führt, dass eine kreative Teilhabe der Schüler am politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Austausch auf digitalem Weg unterbleibt.
6. Wie hoch schätzen Sie die Störanfälligkeit bzw. die Fehleranfälligkeit von Smartphones im Unterricht ein?
Bei Smartphones kann der Akku leer sein, die WLAN-Verbindung kann unterbrochen werden, ein Virus kann das Gerät befallen, es kann auf dem Fußboden zerschellen und und und...
Natürlich macht man sich ein Stück weit Abhängig von der Technik.
Hier helfen zwei Dinge:
Wie man bei der Antwort auf Frage 4 sieht, ist es in vielen Unterrichtsszenarien gar nicht nötig, dass jeder Schüler ein (funktionierendes) Gerät besitzt. Also ist es auch nicht schlimm, wenn mal eins ausfällt.
7. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um mit Schülerinnen und Schülern einen Unterricht mit Smartphoneeinbindung durchzuführen? Welche Vereinbarungen müssen mit Ihnen getroffen werden?
Vereinbarung: Schüler dürfen ihre Handys im Unterricht nur nach Absprache und dann auch nur unterrichtsbezogen einsetzen.
Voraussetzungen gibt es keine. Sobald ein Smartphone vorhanden ist, könnte man es einsetzen. Es gibt jedoch förderlich Bedingungen, die die Einsatzmöglichkeiten erheblich erweitern:
8. Was muss außerdem noch bei der Einbindung von Smartphones in den Unterricht beachtet werden?
Wer ein Unterrichtsmittel einsetzt, sollte dies zumindest vorher erproben. Das gilt natürlich auch für Smartphones. Ansonsten macht man erst im Unterricht die Erfahrung, dass das, was man daheim auf seinen zwei Breitbildmonitoren geplant hat, auf dem kleinen Display eines Smartphones nicht sinnvoll umzusetzen ist.
Ferner muss man bei den unterschiedlichen Geräten der Schüler immer damit rechnen, dass mal eine App für ein Betriebssystem (vor allem für das der Firma Microsoft) nicht erhältlich ist.
Letztlich gilt es die Kritikpunkte an BYOD-Konzepten ernst zu nehmen. Das Betrifft vor allem die Bedenken, Nicht-Smartphone-Schüler könnten benachteiligt werden und Kinder weniger verdienenden Eltern würden finanziell erheblich belastet werden. Hier gibt es Gegenmaßnahmen, auf didaktischer, wie auch auf schulkonzeptioneller Ebene.
Ich danke Christoph Ehlers für die Erlaubnis der Veröffentlichung der Fragen und wünsche viel Erfolg bei der Bachelorarbeit.
Zum Weiterlesen hier noch zwei Empfehlungen:
Da es mir schwer fällt, mich kurz zu fassen, ohne oberflächlich zu sein, habe ich etwas mehr Zeit in die Beantwortung gesteckt. Somit lohnt es sich nun, daraus einen Blogpost zu machen.
Hier also das Interview:
1. Wie verbreitet sind Ihrer Meinung nach Smartphones in der Schule? Also wie viele Schüler besitzen schon ihr eigenes Smartphone?
Wie stark Smartphones durchschnittlich bei Schülern verbreitet sind, kann man an der aktuellen JIM-Studie ablesen. Ich habe den sehr subjektiven Eindruck, dass das an unserer Schule nicht wesentlich anders ist. Die Versorgung mit Smartphones nimmt mit zunehmendem Alter der Schüler zu. Aber auch einige unserer Fünftklässler besitzen bereits Entsprechendes. Kollege André Spang aus Köln hat eine Zeit lang seine Klassen entsprechend befragt und bei manchen nahezu von einer Vollversorgung berichtet.
2. Wie wirkt sich der Einsatz von Smartphones auf die Motivation der Schüler aus?
Unterschiedlich. Noch kann man bei den meisten Schülern Begeisterung wecken, wenn man die Benutzung im Unterricht zulässt. Dies liegt daran, dass es für die meisten eine neue Erfahrung ist und weil sie mit ihrem Gerät Positives verbinden. Mit zunehmender Professionalisierung wird das Smartphone eher zu einem unspektakulären aber nützlichen Werkzeug.
3. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass Schülerinnen und Schüler das Handy während des Unterrichts zu nichtschulischen Zwecken nutzen? (Also Facebook, Whatsapp etc.)
Gering. Die Gefahr, dass sie Zettelchen schreiben oder Käsekästchen spielen halte ich für größer. Aber selbstverständlich passiert das auch bei mir. Und ich gehe davon aus, dass ich dies meistens nicht mitbekomme. Allerdings verhindern klare Regeln und empfindliche Strafen das Ausufern dieser Art von Unterrichtsstörung. Wobei man hier auch die Grenzen des rechtlich Erlaubten bedenken muss. Ein Einziehen und Aufbewahren des Handys ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt und kann selbst dann für den Lehrer erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Bei der Öffnung des Unterrichts in Richtung Internet kommt es unweigerlich ein Stück weit zu einem Kontrollverlust des Lehrers, der sicherlich von Kollegen ganz unterschiedlich belastend wahrgenommen wird. Wie weit man dies zulässt hängt nicht zuletzt auch mit dem Vertrauen zusammen das man seiner Klasse bzw. den einzelnen Schülern entgegenbringt. Ich selbst habe überwiegend positive Erfahrungen sammeln können.
4. Wie gehen Sie vor, wenn manche Schülerinnen oder Schüler noch kein eigenes Smartphone besitzen, Sie aber gerne damit unterrichten würden?
Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:
- Partnerarbeit von Smartphone- und Nicht-Smartphone-Schülern (wegen des kleinen Bildschirms vor allem für gemeinsamen Film- oder Hörbeitragkonsum geeignet oder zur gemeinsamen Erstellung von Arbeitsergebnissen - z. B. Dokumentation eines Versuchsaufbaus)
- Arbeitsteilige Gruppenarbeit mit Internetquellen für Smartphone-Schüler und Print-Quellen für Nicht-Smartphone-Schüler (wird allerdings zuweilen als ungerecht empfunden und ist deshalb mit Vorsicht zu genießen)
- Gruppenarbeit mit Nutzung eines Gerätes zur Erstellung des Gruppenarbeitsergebnisses (z. B. gemeinsame Podcast- oder Filmproduktion)
- Ergänzung der Schülergeräte durch schuleigene Laptops/Tablets (soweit vorhanden) für die Nicht-Smartphone-Schüler.
- Verzicht auf den Einsatz der Smartphones.
5. Wie hoch schätzen Sie die Risiken ein, dass Schülerinnen und Schüler durch die Nutzung ihrer Smartphones im Unterricht in Kostenfallen geraten, Seiten mit unkontrollierbaren Inhalten öffnen oder den Datenschutz verletzen?
Die Gefahr in eine Kostenfalle zu geraten - z. B. durch in-App-Käufe besteht immer. Ob nun das schülereigene Gerät im Unterricht oder privat genutzt wird. Hier sollte ein schulisches Medienkonzept, das den Schülern (auch) die Gefahren des Digitalen verdeutlicht, eine Sensibilisierung hervorrufen, die die Schüler befähigt diese Kostenfallen zu erkennen und zu umgehen.
Sollten die Kosten gemeint sein, die entstehen, wenn ein Schüler über sein Mobilfunknetz ins Internet geht, um sich die Lehrfilme anzusehen und am Wiki mitzuarbeiten, so ist zu sagen, dass ein schulisches WLAN diese Kosten (für die Schüler) gänzlich verhindern kann. Sollte es kein solches Netz geben, ist zumindest von einer internetgestützten Smartphonenutzung eher abzusehen.
Die Gefahr der Datenschutzverletzung sehe ich aber tatsächlich. Inwieweit sich Kollegen Gedanken darüber machen, dass viele Nutzungsmöglichkeiten des Internets, sei es bei der Publizierung von Podcasts, Videos, Wikibeiträgen oder von Fotos, die Übertragung personenbezogener Daten mit sich bringen, ist mir nicht bekannt. Meiner Erfahrung nach sind Schüler - vor allem in der Oberstufe - in dieser Hinsicht in hohem Maße sensibilisiert. Sie vermeiden die Nutzung von Klarnamen und fordern dies auch ein. Ferner werden ¨Veröffentlichungen¨, die passwortgeschützt und somit nur der Klasse oder dem Kurs zugänglich sind, deutlich präferiert. Diese Sensibilität mag jedoch eine Kompetenz sein, die erst im Laufe der Jahre entwickelt wird und bei jüngeren Klassen so nicht zu erwarten ist.
Die weitaus größte Gefahr wurde jedoch noch nicht angesprochen. Ich sehe die Gefahr von Urheberrechtsverletzungen als bedeutend an. Jede nicht selbst komponierte Musik, die unter ein Podcast gelegt wurde, jedes Bild, das in ein Wiki oder einen Schülerfilm eingebaut wurde und jede Textpassage, die nicht richtig zitiert, in einem öffentlich zugänglichen Google-Dokument oder Schüler-Blog zu finden ist, birgt die Gefahr einer viele hundert Euro teuren Abmahnung durch Anwälte, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ich gehe davon aus, dass kaum ein Kollege und erst recht kaum ein Schüler alle Fallstricke des Urheberrechts kennt. Hier gilt es, Kollegen wie Schüler über Möglichkeiten und Grenzen zu informieren, damit die Angst vor Abmahnungen nicht dazu führt, dass eine kreative Teilhabe der Schüler am politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Austausch auf digitalem Weg unterbleibt.
6. Wie hoch schätzen Sie die Störanfälligkeit bzw. die Fehleranfälligkeit von Smartphones im Unterricht ein?
Bei Smartphones kann der Akku leer sein, die WLAN-Verbindung kann unterbrochen werden, ein Virus kann das Gerät befallen, es kann auf dem Fußboden zerschellen und und und...
Natürlich macht man sich ein Stück weit Abhängig von der Technik.
Hier helfen zwei Dinge:
- Didaktische Alternativen (¨Tja, wenn das WLAN nicht funktioniert bleibt uns nichts anderes übrig, als ¨normalen¨ Unterricht zu machen, also: Bücher raus und Stift gespitzt!¨)
- Erfahrung im Umgang mit mobiler Technik (um die ein oder andere Panne schnell beheben zu können)
Wie man bei der Antwort auf Frage 4 sieht, ist es in vielen Unterrichtsszenarien gar nicht nötig, dass jeder Schüler ein (funktionierendes) Gerät besitzt. Also ist es auch nicht schlimm, wenn mal eins ausfällt.
7. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um mit Schülerinnen und Schülern einen Unterricht mit Smartphoneeinbindung durchzuführen? Welche Vereinbarungen müssen mit Ihnen getroffen werden?
Vereinbarung: Schüler dürfen ihre Handys im Unterricht nur nach Absprache und dann auch nur unterrichtsbezogen einsetzen.
Voraussetzungen gibt es keine. Sobald ein Smartphone vorhanden ist, könnte man es einsetzen. Es gibt jedoch förderlich Bedingungen, die die Einsatzmöglichkeiten erheblich erweitern:
- Möglichst viele schülereigene Geräte
- Stabiles Schul-WLAN
- Schuleigene Geräte zum Ergänzen
8. Was muss außerdem noch bei der Einbindung von Smartphones in den Unterricht beachtet werden?
Wer ein Unterrichtsmittel einsetzt, sollte dies zumindest vorher erproben. Das gilt natürlich auch für Smartphones. Ansonsten macht man erst im Unterricht die Erfahrung, dass das, was man daheim auf seinen zwei Breitbildmonitoren geplant hat, auf dem kleinen Display eines Smartphones nicht sinnvoll umzusetzen ist.
Ferner muss man bei den unterschiedlichen Geräten der Schüler immer damit rechnen, dass mal eine App für ein Betriebssystem (vor allem für das der Firma Microsoft) nicht erhältlich ist.
Letztlich gilt es die Kritikpunkte an BYOD-Konzepten ernst zu nehmen. Das Betrifft vor allem die Bedenken, Nicht-Smartphone-Schüler könnten benachteiligt werden und Kinder weniger verdienenden Eltern würden finanziell erheblich belastet werden. Hier gibt es Gegenmaßnahmen, auf didaktischer, wie auch auf schulkonzeptioneller Ebene.
Ich danke Christoph Ehlers für die Erlaubnis der Veröffentlichung der Fragen und wünsche viel Erfolg bei der Bachelorarbeit.
Zum Weiterlesen hier noch zwei Empfehlungen:
Montag, 10. März 2014
Wie bekommt man Lehrer dazu, OER zu erstellen?
Vorweg:
Beim OERcamp in Köln am 21.09.2013 habe ich eine Session angeboten, die sich aus vergangenen Diskussionen um die bisher deutlich begrenzte Bekanntheit freier Bildungsmaterialien in deutschen Schulen und dem damit verbundenen bescheidenen Output an OER ergab. Meine Vorstellung, man könne mit guten Infobroschüren, -plakaten und -filmchen über OER dieses Thema in Schulen bekannt machen, muss als naiv betrachtet werden. Ich musste mir diese falsche Vorstellung eingestehen. In meiner Session (und nun auch in diesem Blogbeitrag) soll(te) dargestellt werden, warum OER (noch) kein Thema für die meisten Schulen ist. Aber auch, wie man das ändert!Was sind die typischen Hinderungsgründe eines Lehrers bei der Erstellung und welche Lösungsansätze gibt es, OER dennoch in die und aus der Schule zu bekommen?
In meinem Blogbeitrag vom 10. Juli 2013 habe ich bereits aufgezeigt, welche Hinderungsgründe mich, als bekennenden Digitaldidaktiker, in meiner OER-Produktion bremsen. Diese Erkenntnisse sind jedoch keinesfalls auf alle Lehrer zu übertragen. Anderen Lehrern sehen vor allem in der Technik, dessen Einsatz zur Produktion und Nutzung von OER im Unterricht z. T. vonnöten ist, eine Hürde.![]() |
| CC-BY-SA von Roger und Renate Rössing/ Deutsche Fotothek Quellen und Lizenztext siehe unten. |
1. Hinderungsgründe
- Analoge Vorbereitung: Eine nicht unerhebliche Anzahl an Kollegen arbeitet bei der Erstellung ihrer Arbeitsblätter nicht nur deshalb noch mit Schere und Klebe, weil es so schnell und unkompliziert geht, sondern, weil sie keine digitalen Arbeitsblätter erstellen können. Texterkennungsprogramme können nicht bedient werden und Texte einzutippen dauert verhältnismäßig lange, wenn man nicht wirklich flüssig tippen kann. Diagramme herzustellen, eigene Zeichnungen einzuscannen ect. all das dauert aufgrund der fehlenden Übung entweder zu lange, oder es fehlt schlicht das nötige Wissen hierzu. Von der Erstellung von Hörbeiträgen, Lehrfilmchen und interaktivem Arbeitsmaterial ganz zu schweigen.
- Analoger Unterricht: Wer nicht digital arbeiten lässt, hat wenig Grund OER zu nutzen bzw. zu produzieren. Lehrwerke liegen vor und sind z. T. langjährig erprobt. Arbeitsblätter von Verlagen gibt es reichlich. Sie dürfen analog ohne Probleme eingesetzt werden (digital zwar kaum aber dieses Problem haben Analoglehrer ja nicht). Dabei sind die Gründe, unplugged zu arbeiten keinesfalls immer in fehlender Medienkompetenz zu suchen. Manche Kollegen sind wahre Meister darin, Arbeitsblätter mit Officeprogrammen zu erstellen. Sie lassen jedoch selten bis nie Schüler mit digitalen Endgeräten arbeiten. Die Gründe sind vielfältig und reichen von ökologischen Bedenken über pädagogische Zweifel bis zur Angst vor Kontrollverlust (an dieser Stelle verweise ich, wie schon in einem vorigen Blogbeitrag, auf Beat Doebeli Honeggers Argumentesammlung). Wenn alle digitalen Verbreitungswege ausfallen, da sie nicht im Unterricht eingesetzt werden, würden sich OER im Wesentlichen auf Arbeitsblätter beschränken, die wiederum die Kopierkosten in die Höhe treiben und die Möglichkeiten, die freie Bildungsmaterialien bieten, nicht im Ansatz ausschöpfen. Ein Lehrer, der seit Jahren mit einem guten Schulbuch arbeitet, wird zurecht darauf hinweisen, dass ein frei lizensiertes Arbeitsblatt mit Aufgaben und Erklärungen unnötig ist, da dies auch das besagte Buch bietet.
- Angst vor kollegialer Schelte: Jens Best wies in der Diskussion zur Session darauf hin, dass kollegialer Austausch von Materialien häufig auch mit der Angst verbunden ist, dass man statt eines Dankes oder anderer Materialien, sein eigenes Arbeitsmittel korrigiert zurückbekommt. Nach dem Motto: "DAS bringst du seit 10 Jahren deinen Schülern bei? Kein Wunder, dass die nichts können." Ursache ist meiner Meinung nach die jahrelange unterrichtliche Isolation von Lehrern. Aufgrund fehlender Feedback- und Evaluationstraditionen in weiten Teilen der Schullandschaft, verlernt man kollegiale Kooperation und Kritikfähigkeit am eigenen Unterricht.
2. Lösungsstrategien:
Kompetenz
Ein in technischen Dingen unerfahrener Kollege wird wenig Sinn in OER sehen.
Ehe OER in einer Schule im großen Umfang produziert werden können, muss deshalb zunächst die Medienkompetenz der Kollegen gestärkt werden.
OER sind mehr als nur Arbeitsblätter. Deshalb muss sich die Medienkompetenzschulung auch auf die Erstellung von Screen- und Podcasts beziehen sowie netzbasierte Dienste oder Apps und Programme vorstellen. Ferner sind digitale Verbreitungs- und Veröffentlichungswege, ob nun öffentlich oder auf dem Schulserver z. B. mit einem Lernmanagementsystem, erstmal kennenzulernen, denn was nützt eine digitale, interaktive, frei lizensierte OER, wenn man sie nicht zu den Schülern bekommt?
Einfache Technik
in meinem Beitrag vom 02.10.13 habe ich über Jöran Muuß-Merholz Aussage zum Wunsch der Lehrer nach funktionierender Technik berichtet. Neben der Kompetenzförderung ist die Schaffung verlässlicher Systeme ein Ansatz zur Förderung des Technikeinsatzes und indirekt zur Förderung von OER.
Nachhaltigkeit
Mehrwert
Es gilt ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, Mehrwert zu schaffen. Eräuternde Filme, Animationen und auch Audiobeiträge, die entweder digital zur Verfügung gestellt oder per QR-Code in ein Arbeitsblatt eingebunden werden, ermöglichen Differenzierung. Aufgaben mit spielerischem Charakter (Learning Apps, Quizzlet etc.) lockern auf und motivieren. Diese Vielfalt bietet kein Lehrbuch. Wird dieser Mehrwert verdeutlicht, erhöht sich die Bereitschaft zur eigenen Produktion von OER.
Ein in technischen Dingen unerfahrener Kollege wird wenig Sinn in OER sehen.
Ehe OER in einer Schule im großen Umfang produziert werden können, muss deshalb zunächst die Medienkompetenz der Kollegen gestärkt werden.
OER sind mehr als nur Arbeitsblätter. Deshalb muss sich die Medienkompetenzschulung auch auf die Erstellung von Screen- und Podcasts beziehen sowie netzbasierte Dienste oder Apps und Programme vorstellen. Ferner sind digitale Verbreitungs- und Veröffentlichungswege, ob nun öffentlich oder auf dem Schulserver z. B. mit einem Lernmanagementsystem, erstmal kennenzulernen, denn was nützt eine digitale, interaktive, frei lizensierte OER, wenn man sie nicht zu den Schülern bekommt?
Einfache Technik
in meinem Beitrag vom 02.10.13 habe ich über Jöran Muuß-Merholz Aussage zum Wunsch der Lehrer nach funktionierender Technik berichtet. Neben der Kompetenzförderung ist die Schaffung verlässlicher Systeme ein Ansatz zur Förderung des Technikeinsatzes und indirekt zur Förderung von OER.
Nachhaltigkeit
OER sind immer dann nachhaltig und sinnvoll, wenn sie Inhalte behandeln, die sich auf absehbare Zeit nicht ändern werden. Mathematik, Sprachen und Naturwissenschaften sind hier deutlich im Vorteil. Politik und Erdkunde hingegen sind zum Teil auf aktuelle Daten angewiesen. Wer hier viel Arbeit in OER steckt, die nach zwei Jahren bereits wieder veraltet sind, hat den falschen Ansatz gewählt. Also lieber Material zu Vulkanismus anstatt zur aktuellen Handelsbilanz Südasiens entwerfen.
Public domain (Wikimedia Commons/USGS)
Zwar steckt gerade in OER die Möglichkeit zur Kollaboration, zur gemeinsamen, schnellen und unkomplizierten Erarbeitung und Aktualisierung von Unterrichtsmaterialien, die einem gewissen Aktualitätszwang unterliegen, dies ist jedoch erst möglich, wenn Lehrer ein persönliches Netzwerk zum Austausch und zur Kollaboration aufgebaut haben.
Ein weiter Bereich, der alle Fächer betrifft und relativ stabile Inhalte aufweist, ist der, der Methodik. Wenn eine Schule beschließt, ein verbindliches Methodencurrikulum zu vereinbaren, wäre dies ein ausgezeichneter Ansatzpunkt für OER, da die Inhalte lange Gültigkeit aufweisen. Außerdem sind sie rechtlich sauber (nicht nur) im Kollegium zu verbreiten.Mehrwert
Es gilt ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, Mehrwert zu schaffen. Eräuternde Filme, Animationen und auch Audiobeiträge, die entweder digital zur Verfügung gestellt oder per QR-Code in ein Arbeitsblatt eingebunden werden, ermöglichen Differenzierung. Aufgaben mit spielerischem Charakter (Learning Apps, Quizzlet etc.) lockern auf und motivieren. Diese Vielfalt bietet kein Lehrbuch. Wird dieser Mehrwert verdeutlicht, erhöht sich die Bereitschaft zur eigenen Produktion von OER.
3. Erkenntnisse
Meine To-Do-Liste für die nächsten Jahre, zur Vorbereitung der Verbreitung von OER an der Schule sieht somit wie folgt aus:- Fördere die Medienkompetenz der Kollegen.
- Beginne mit der OER-Förderung bei Unterrichtsinhalten, die langfristig bestehen.
- Präferiere Mehrwert-erzeugende Formate (Spiele, Quizzes, Audio-, Video- und Slidecasts)
- Beziehe die (fehlende) Verfügbarkeit digitaler Endgeräte in die Förderempfehlungen ein.
- Nimm grundsätzliche Bedenken gegen den Einsatz von Technik im Unterricht ernst, diskutiere und offeriere Lösungswege.
- Fördere Projekte zur kollegialen Rückmeldung um Ängste ab-, und kollegiale Kooperationskompetenz aufzubauen.
Bildnachweise:
Bild mit Hürdenläuferinnen:
Urheber: Roger und Renate Rössing
Urheber: Roger und Renate Rössing
Originalquelle: Deutsche Fotothek - http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/88897769
Lizenz: CC-BY-SA 3.0
Lizenz: CC-BY-SA 3.0
Bild mit Schere und Klebe:
Urheber: Iñaki Pérez Aguado
Bild mit Vulkan:
Public domain (Wikimedia Commons/USGS)
Logos Audio, Video, Interaktives/Spiele: eigener Entwurf CC BY 3.0
Sonntag, 27. Oktober 2013
Rezension: Facebook, Blogs und Wikis in der Schule
Philippe Wampfler, der Autor des Buchs Facebook, Blogs und Wikis in der Schule, ist Gymnasiallehrer und (wer seinen Blog besucht, wird dies deutlich erkennen) digitaler Praktiker.
Wer sein 174 Seiten langes Taschenbuch liest, den erwartet jedoch keine Darstellung von Nutzungsmöglichkeiten für den Unterricht. Vielmehr wird grundlegend das Nutzungsverhalten junger Menschen mit digitalen Medien analysiert und allgemeine Phänomene und Entwicklungen thematisiert, die sich in Bezug auf Facebook & Co. ergeben. Der Bezug zur Schule ist häufig nur indirekt zu finden. Es ist eher eine Klientelbeschreibung. Wie ticken unsere Schüler? Wie lernen sie heute und warum verhalten sie sich so, wie sie es tun?
Wichtige Merkmale des Web 2.0 werden dargestellt, die Relevanz für die Gesellschaft im Allgemeinen und für junge Menschen im Besonderen wird verdeutlicht. Zuweilen werden die Betrachtungen regelrecht philosophisch.
Dabei ist das Buch keine unreflektierte Lobeshymne auf soziale Medien! Zahlreiche problematische Aspekte, wie beispielsweise die (verlorene) Privatsphäre in sozialen Netzwerken, werden diskutiert. Das Kapitel "Interaktionen mit Schülerinnen und Schülern auf Social Media", als weiteres Beispiel, weist vorwiegend auf Gefahren hin. Diese sind in der aktuellen Diskussion um ein Verbot des Umgangs von Lehrern und Schülern über soziale Netzwerke (aktuell in Bayern und Baden-Württemberg) in den Medien zu verfolgen. Wampfler fordert hier zwar kein Verbot sondern klare Regeln, die Grundstimmung des Kapitels lässt aber eine eher ablehnende Tendenz erkennen.
An vielen anderen Stellen weist der Autor aber auch auf die erheblichen Vorteile hin, die soziale Medien für Lehrer untereinander bzw. Schüler untereinander bieten. Der Aufbau eines individuellen Lernnetzwerks wird hier besonders hervorgehoben.
Ein weiteres erwähnenswertes, weil deutlich schulbezogenes, Kapitel ist das über ein mögliches Social Media Profil einer Schule.
Die Möglichkeiten und Gefahren werden angeführt, bleiben aber recht allgemein. Vor allem die möglichen Ziele/Vorteile bleiben vage.
Wampflers Buch entstand beim Führen seines Blogs, was sich an vielen der 77 Abschnitte des Werkes noch erahnen lässt, haben die einzelnen Texte doch häufig Blogpostlänge und behandeln einen abgeschlossenen Gedankengang. Für einen Ratgeber ist das optimal. Nimmt man ihn immer wieder mal zur Hand, ist die Kleingliedrigkeit von Vorteil.
Der Autor schildert nicht nur seine eigenen Ansichten sondern lässt noch eine Vielzahl anderer Personen zu Wort kommen. Er zitiert gerne und häufig. Das Literaturverzeichnis liest sich (neben den Belegen zu diversen Studien) wie das ¨Who-is-who¨ des deutschsprachigen Bildungsbloggertums. Ein weiteres Merkmal der blogbezogenen Entstehung des Buches. Ich persönlich empfinde die dadurch entstehende Abwechslung als durchaus bereichernd.
Zum Schluss sei noch die Frage aufgeworfen, für wen sich die Lektüre dieses Buchs empfiehlt.
Wer die JIM-Studie und ähnliche Erhebungen gelesen und den aktuellen Stand der Diskussion zum Thema verfolgt, wird hier nur bedingt Neues erfahren.
Wer zu dem Thema noch gar nichts weiß, wird hingegen in viele Facetten eingeführt und mit den Gefahren vertraut gemacht. Ob die beschriebenen Vorteile einem gänzlich unerfahrenen Leser jedoch klar werden, ist zweifelhaft. Hier wird durchaus Vorwissen verlangt, um der Diskussion folgen zu können. Die Vorschläge zum Aufbau eines Lernnetzwerks sind gut, die angedeuteten Einsatzmöglichkeiten im Unterricht tadellos aber für letztgenannte Lesergruppe in der Kürze nicht nachvollziehbar.
Am ehesten empfehle ich deshalb das Werk Lehrern, Eltern und anderen am Lernen und an Social Media Interessierten, die sich ein wenig mit der Materie auskennen. Durch die Breite der Themen, die in den zahlreichen Kapiteln behandelt werden, ist für jeden etwas dabei.
Ich hätte mir bei einem Buch mit diesem Titel eine stärkere Fokussierung auf die Einsatzmöglichkeiten von Social Media im Unterricht gewünscht. Hier finden sich nur wenige Seiten. Ferner bleiben die Ausführungen eher auf einer Metaebene und der Blick in den Klassenraum entsprechend unkonkret.
Ich bedanke mich beim Autor für die Zusendung des Rezensionsexemplars.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Lehrers Wunsch nach verlässlicher Technik
Jöran Muuß-Merholz, hielt auf der Openmind-Konferenz im August 2013 einen Vortrag mit dem Titel "Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist". Eine seiner Aussagen ist mir besonders im Gedächtnis geblieben und hat mich bewogen, diesen Blogbeitrag zu schreiben.
"Wenn Technik nur zu 90% funktioniert wird sie von Lehrern nicht genutzt."
(Eigentlich war das Zitat etwas länger. Die Kernaussage wird aber wohl auch so deutlich.)
Im Rahmen meiner kollegialen Medienberatung habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies tatsächlich einer von mehreren Gründen ist, warum die Bereitschaft von Lehrern abnimmt, Technik einzusetzen. Das hört sich für Außenstehende erst mal seltsam an. Warum braucht diese Berufsgruppe so zuverlässige Technik? 90% ist doch schon mal was. Ich wünschte, mein PC würde das schaffen.Diese Entscheidung von Lehrern beruht auf zwei Überlegungen:
"Wenn Technik nur zu 90% funktioniert wird sie von Lehrern nicht genutzt."
(Eigentlich war das Zitat etwas länger. Die Kernaussage wird aber wohl auch so deutlich.)
Im Rahmen meiner kollegialen Medienberatung habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies tatsächlich einer von mehreren Gründen ist, warum die Bereitschaft von Lehrern abnimmt, Technik einzusetzen. Das hört sich für Außenstehende erst mal seltsam an. Warum braucht diese Berufsgruppe so zuverlässige Technik? 90% ist doch schon mal was. Ich wünschte, mein PC würde das schaffen.Diese Entscheidung von Lehrern beruht auf zwei Überlegungen:
- Zum einen ist der Druck der curricularen Obligatorik groß. Wer wertvolle Unterrichtszeit durch fehlerhafte Technik verliert, läuft Gefahr, seinen Unterrichtsstoff nicht durchzubekommen.
- Zum anderen empfinden viele Kollegen Situationen, in denen sie nicht ¨Herr der Lage¨ sind als Gesichtsverlust gegenüber ihren Schülern. Schüler nehmen dies übrigens ebenso war. Äußerungen wie ¨Herr/Frau xy hat mal wieder versucht einen Computer zu benutzen - ein einziges Fiasko¨, hört man gelegentlich in Flurgesprächen zwischen Schülern.
Diese Überlegungen sind im Übrigen auch die Ursache für die folgenden andere Gründe, die Lehrer nennen, wenn sie über geringen Technikeinsatz in ihrem Unterricht berichten.
- Mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Technik
- Das Vergessen der Kenntnisse, wenn die Technik nur selten im Unterricht verwandt wird
Lösungsansätze:
1. Technik verbessern.
Wenn ein Gerät nicht so funktioniert, wie es soll, liegt das nicht immer an der Technik. Das Wissen um die Funktionsweise und die Fähigkeit, kleinere Hürden zu umschiffen, sind Aspekte einer Medienkompetenz, die ein Lehrer beim Einsatz im Unterricht haben sollte. Je souveräner der Umgang mit digitalen Geräten ist, desto seltener kann Unterricht durch unerwartetes Verhalten der Technik gesprengt werden.
3. Verringerung der Obligatorik
Wer weniger verpflichtende Themen in seinem Unterricht behandeln muss hat mehr Zeit für aktuelle Themen, für neue Methoden und natürlich auch für erste Schritte in der digitalen Unterrichtswelt.
Fazit:
Meiner Meinung nach ist die Bereitstellung gut funktionierender Technik die Grundlage für digitale Arbeit im Unterricht. Werden die unter dem Punkt 1. genannten Lösungsansätze zur Verbesserung der Technik nicht beherzigt, werden es immer nur einige wenige technikaffine Lehrer sein, die ihre eigenen Tablets und Beamer anschließen oder mit veralteten Laptopwagen Schüler von Problem zu Problem begleiten. Maik Riecken fasst dies in 140 Zeichen auf seine Weise zusammen:
1. Technik verbessern.
- Die oben angeführten 90% sind für eine Schule schon ein ganz ansehnliches Ergebnis. Um dies zu erreichen müssen finanzielle Mittel und Arbeitsstunden zur Anschaffung, Administration und Wartung der Technik zur Verfügung stehen.
- Ferner ist eine klare Zuordnung der Zuständigkeien wichtig. Wenn ein Lehrer fehlerhafte Technik melden kann und sich darauf verlassen kann, dass diese zeitnah wieder in Ordnung gebracht wird, wird seine Bereitschaft, dieses Gerät einzusetzen, nicht so stark abnehmen.
- Schulische Technik sollte möglichst einfach bedienbar und wenig anfällig sein. Jöran Muuß-Merholz hierzu:
Da ich selbst kaum Erfahrungen mit Geräten der Firma Apple besitze, werde ich das mal unkommentiert stehen lassen.
2. Förderung der Medienkompetenz der Lehrer Wenn ein Gerät nicht so funktioniert, wie es soll, liegt das nicht immer an der Technik. Das Wissen um die Funktionsweise und die Fähigkeit, kleinere Hürden zu umschiffen, sind Aspekte einer Medienkompetenz, die ein Lehrer beim Einsatz im Unterricht haben sollte. Je souveräner der Umgang mit digitalen Geräten ist, desto seltener kann Unterricht durch unerwartetes Verhalten der Technik gesprengt werden.
3. Verringerung der Obligatorik
Wer weniger verpflichtende Themen in seinem Unterricht behandeln muss hat mehr Zeit für aktuelle Themen, für neue Methoden und natürlich auch für erste Schritte in der digitalen Unterrichtswelt.
Fazit:
Meiner Meinung nach ist die Bereitstellung gut funktionierender Technik die Grundlage für digitale Arbeit im Unterricht. Werden die unter dem Punkt 1. genannten Lösungsansätze zur Verbesserung der Technik nicht beherzigt, werden es immer nur einige wenige technikaffine Lehrer sein, die ihre eigenen Tablets und Beamer anschließen oder mit veralteten Laptopwagen Schüler von Problem zu Problem begleiten. Maik Riecken fasst dies in 140 Zeichen auf seine Weise zusammen:
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Ist diese Grundlage geschaffen (oder zumindest absehbar), kann eine gezielte, dauerhafte und durch kurze Wege gekennzeichnete Stärkung der Medienkompetenz der Lehrer auf fruchtbaren Boden fallen.
Dass diese Kompetenzförderung vonnöten ist, zeigen zahllose Beispiele aus den letzten Jahrzehnten. An vielen Schulen wurden teure Computerräume, Laptopwagen oder gar -klassen eingeführt, ohne für eine hinreichende Weiterbildung des Kollegiums zu sorgen. Die Folge sind frustrierte Schüler, Lehrer und Eltern und jede Menge verwaister Geräte. Eigentlich ein alter Hut. Und schlimm genug: immer noch aktuell.
Es gibt noch zahlreiche weitere Gründe, die Lehrer dazu bewegen, keine Technik einzusetzen. Diese haben jedoch, anders als die oben genannten Gründe, zum Teil andere Ursachen. Eine wunderbare Übersicht hat Beat Doebeli Honegger hier entstehen lassen. Zwar werden dort Argumente gegen eine 1:1-Ausstattung aufgezeigt, viele dieser Bedenken lassen sich aber auch grundsätzlich auf den Einsatz von Technik in der Schule übertragen.
Dass diese Kompetenzförderung vonnöten ist, zeigen zahllose Beispiele aus den letzten Jahrzehnten. An vielen Schulen wurden teure Computerräume, Laptopwagen oder gar -klassen eingeführt, ohne für eine hinreichende Weiterbildung des Kollegiums zu sorgen. Die Folge sind frustrierte Schüler, Lehrer und Eltern und jede Menge verwaister Geräte. Eigentlich ein alter Hut. Und schlimm genug: immer noch aktuell.
Es gibt noch zahlreiche weitere Gründe, die Lehrer dazu bewegen, keine Technik einzusetzen. Diese haben jedoch, anders als die oben genannten Gründe, zum Teil andere Ursachen. Eine wunderbare Übersicht hat Beat Doebeli Honegger hier entstehen lassen. Zwar werden dort Argumente gegen eine 1:1-Ausstattung aufgezeigt, viele dieser Bedenken lassen sich aber auch grundsätzlich auf den Einsatz von Technik in der Schule übertragen.
Dienstag, 17. September 2013
Wiki über die Schulgrenzen hinaus
Beim zweiten deutschen Edchat, einem wilden und überaus bereichernden Twitter-Gewitter über ein abgesprochenes Bildungsthema (hier: Kollaboration), kam bei mir die Frage auf, ob wohl schon jemand Erfahrungen mit schulübergreifender Kollaboration hätte. Schließlich lernen in einem Bundesland alle Schüler dieselben Themen. Da wäre eine Zusammenarbeit gut möglich.
Die Erfahrungen beim Educhat bezogen sich meist auf informelle Lerngruppen, die Schüler z. B. über Facebook selbst ins Leben rufen. Das entspricht auch den Aussagen, die ich von den Schülern bekomme.
Mir schwebt da aber eher eine konkrete Unterrichtseinheit vor, in der man mit Kursen anderer Schulen zusammenarbeitet. So können die Inhalte strukturiert, visualisiert und umfangreich dokumentiert werden. Anders als bei einem kursinternen Wiki muss man hier mit fremden Personen diskutieren und kooperieren.
Hat jemand Lust?
Die Erfahrungen beim Educhat bezogen sich meist auf informelle Lerngruppen, die Schüler z. B. über Facebook selbst ins Leben rufen. Das entspricht auch den Aussagen, die ich von den Schülern bekomme.
Mir schwebt da aber eher eine konkrete Unterrichtseinheit vor, in der man mit Kursen anderer Schulen zusammenarbeitet. So können die Inhalte strukturiert, visualisiert und umfangreich dokumentiert werden. Anders als bei einem kursinternen Wiki muss man hier mit fremden Personen diskutieren und kooperieren.
Deshalb mein Aufruf:
Welche engagierte, technisch interessierte Erdkundelehrkraft aus Niedersachsen hat Lust mit ihrem/seinem und meinem Kurs (Jg. 12, grundlegendes Niveau) zum Thema Tourismus in Australien/Ozeanien etwa ab Dezember(?) ein gemeinsames Wiki zu erstellen.Und wenn sich jemand findet, wie könnte so eine Zusammenarbeit aussehen?
- Es ist nicht zu erwarten, dass die Kurse an den unterschiedlichen Schulen zeitgleich stattfinden. Somit ist eine forenartige, zeitversetzte Diskussion der Schüler über die entsprechende Funktion des Wikis essenziell.
- Wir Kollegen müssten vor allem den Informationsinput ein wenig steuern bzw. absprechen. Unterschiedliche Lehrbücher, -filme, Hörbeiträge und gerne auch Experteninterviews sorgen für unterschiedliche Beiträge und fruchtbare Diskussionen im Wiki.
- Teilanonymität sollte gewahrt werden. D. h. Schüler nutzen ein Pseudonym, das nur dem Lehrer bekannt ist. So können sie ohne Hemmungen schreiben, ohne die Gefahr, unflätig beschimpft zu werden.
- Vielfalt! Ergebnisse sollten nicht nur schriftlich festgehalten werden. Filme, Hörbeiträge und Animationen dürfen und sollen gerne in das Wiki eingebunden werden. So macht das Lernen für's Abitur Spaß.
Außerdem sind noch Fragen zu klären:
- Wie bewertet man so etwas? Welche Kriterien werden festgelegt?
- Sollte eine Vorstrukturierung nach Teilthemen erfolgen? Ich denke schon.
- Welcher Wiki-Dienst wird gewählt?
- Wie wird die Qualität gesichert? Schließlich lernen die SuS' nach diesem Wiki für ihr Abitur. Da dürfen eigentlich keinerlei Fehler drin stehen.
- Wie viel Kollaboration ist zu viel? Ich denke, es sollten zunächst nicht mehr als drei Kurse zusammenarbeiten.
- Ach ja: Und wo machen wir das abschließende Kurstreffen?
Hat jemand Lust?
Mittwoch, 10. Juli 2013
Hinderungsgründe bei der Erstellung von Open Educational Resources
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| Remix des Logos von Jonathas Mello CC BY 3.0 - Quelle und Lizenztext siehe unten. |
Nun bin ich einmal in mich gegangen, um die Ursachen für dieses Missverhältnis zu verstehen.
Heraus kamen folgende vier Gründe, die mir das Erstellen von OER erschweren:
1. Schutz geistigen Eigentums
Selbstverständlich habe ich unglaublich viele Arbeitsblätter, Präsentationen und Tafelbilder am Computer erstellt. Ich habe jedoch in den letzten Jahren, so wie die meisten meiner Kollegen, mit Schulbüchern gearbeitet. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung haben die Verlage ein regelrechtes Ökosystem um ihre Schulbücher generiert. Man bekommt Online-Ergänzungen, digitale Schulbücher, Zusatzprogramme etc. Im besten Fall sind diese fein aufeinander abgestimmt. Dementsprechend sind meine eigenen Materialien häufig auf die Schulbücher bezogen oder (seit einigen Wochen darf man das ja) sogar mit Abbildungen aus den Verlagsmaterialien versehen. Und hier hakt es natürlich. Erstens macht es nur bedingt Sinn, ein Arbeitsblatt zu veröffentlichen, das sich auf Texte und Diagramme aus einem ganz konkreten Schulbuch bezieht (ein Beispiel, wo ich es doch gemacht habe, findet sich hier), zweitens darf ich natürlich nichts verbreiten, was urheberrechtlich geschützte Inhalte aufweist. Meine bisherige ¨verlagsorientierte¨ Arbeitsweise (die bis vor kurzem auch tadellos funktionierte) erschwert somit die Veröffentlichung meines umfangreichen Datenbestands. Um sich davon zu lösen müsste ich jede Unterrichtseinheit neu konzipieren und mit neuen, offenen oder ganz und gar selbst gestalteten Materialien versehen. Eine Mammutaufgabe, die hemmt und besonders bei dem Unterricht, der ganz besonders gut lief, nicht wirklich einzusehen ist.
2. Originalquellenorientierung
Ich habe mir sagen lassen, in vielen Fächern sei es nicht angemessen, selbst Verfasstes einzubringen. Zumindest nicht in der Sek II. Dort nehme die Originalquellenanalyse einen bedeutenden Platz ein, hieß es. Besonders die Auswertung historischer Dokumente im Geschichtsunterricht dürfe keinesfalls ersetzt werden, durch einen didaktisierten, selbst verfassten Text. Nun bin ich kein Historiker aber der Argumentation kann ich ein Stück weit folgen. Vermutlich macht es auch keinen Sinn im Deutschunterricht lediglich selbst verfasste Lyrik zu lesen oder in Musik ausschließlich eigene Stücke zu analysieren. Und auch in Erdkunde macht eine Gegenüberstellung von Texten von Greenpeace und Shell mehr Sinn, als eine von mir geschriebene Zusammenfassung. In Mathematik mag dies weniger eine Rolle spielen und auch in der Sek I sehe ich mehr Möglichkeiten.
3. Moodle der Verführer
Mit Moodle (und natürlich auch mit allen anderen Lernmanagementsystemen) ist es mir möglich neben OER auch sämtliches frei zugängliches Material einzusetzen, das nicht CC-lizensiert ist. Jedes Material im Internet, das nicht durch eine Passwortsperre geschützt ist, kann per Link eingebunden werden. Homepages, pdf-Dateien, Filme, eBooks, Hörbeiträge... alles was das Herz begehrt. Solange ich diese Quellen nicht einbette, sondern lediglich darauf verlinke, ohne ein Vorschaubild zu verwenden, ist es völlig egal, unter welcher Lizenz das Material veröffentlicht wurde. Da es unter diesen Voraussetzungen so unglaublich viele Materialien im Internet gibt, die ich einsetzen kann, besteht für mich nicht oft die Notwendigkeit, eigenes Material zu entwerfen.
4. Fehlende Ausstattung
OER machen vor allem in Kombination mit digitalen Endgeräten Sinn. Klar kann man zumindest Arbeitsblätter auch kopieren und austeilen, das treibt jedoch meine Kopierkosten in die Höhe. Solange noch nicht alle Schüler mit einem eigenen Gerät ausgestattet sind bzw. ich noch keine schuleigenen, mobilen Geräte zur Verfügung habe, muss ich Kompromisse eingehen beim Einsatz im Unterricht. Wenn ich einen Kurs vor mir habe, der nur zu 2/3 mit eigenen Geräten versorgt ist, überlege ich es mir gut, ob ich ein digitales Arbeitsblatt entwerfe und einsetze, oder doch wieder auf das Schulbuch zurückgreife. Schließlich erreiche ich so nur einen Teil der Klasse (z. B. in arbeitsteiliger Gruppenarbeit).
Fazit: Ich werde wohl auch im kommenden Schuljahr auf Schulbücher setzen und den Unterricht mit Internetquellen lediglich unterstützen bzw. differenzieren. Dennoch werde ich an ausgesuchten Stellen OER generieren und einsetzen. Zum Beispiel könnte ich bei Moodle die Arbeitsaufträge, Links etc. nicht "direkt" in dem Lernmanagementsystem eintragen, sondern ein Google-Dokument erstellen, das ich dann sowohl in den Kursverlauf innerhalb von Moodle einbinden, als auch über das Internet mit Kollegen teilen kann.
Ferner werde ich für eine zunehmende Ausstattung der Schüler werben, um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht insgesamt voranzubringen (siehe Hinderungsgrund Nr. 4).
Bildnachweis:
Remix des Logos von Jonathas Mello
Donnerstag, 11. April 2013
Geräte raus, der Unterricht fängt an..! - Erfahrungsbericht über sechs Monate BYOD
1. Phase des ungläubigen Herantastens
4. Phase der Professionalisierung
Fazit:
Ausblick:
Meine Schüler dürfen ihre eigenen Geräte in den Unterricht mitbringen und mit meiner Erlaubnis nutzen. Nachdem seit Beginn des Schuljahres mein Fachraum mit einem WLAN-Router versehen wurde und die Schüler in der Lage sind, sich passwortgeschützt in das Schulnetzwerk einzuloggen, konnte es endlich losgehen mit BYOD.
Fein :-)
Hier möchte ich nun über die von mir erlebte Entwicklung in den letzten sechs Monaten berichten.
1. Phase des ungläubigen Herantastens
“Wer von euch hat denn ein Smarphone dabei? Ich würde gerne ausprobieren, ob ihr euch damit ins Schülernetz einwählen könnt. Dann könnte ich das im Unterricht einplanen.” So, oder so ähnlich, hat es begonnen.
Wobei die Schüler, die es gewohnt waren ihr Handy lediglich heimlich auf der Toilette oder in abgelegenen Fluren zu nutzen, da es ihnen sonst weggenommen würde, zunächst zögerlich auf die Aufforderung reagierten, ihr Spiel-, Kommunikations- und Informationsgeräts im Unterricht einzusetzen.
Sie hatten noch keine Erfahrung mit dieser Situation, wussten noch nicht so recht, was sie durften und was nicht. Viele machten einen staunend, ungläubigen Gesichtsausdruck. In dieser Phase galt es Regeln zu vereinbaren (viel war gar nicht nötig) und noch nicht die dicke, kollaborative Keule zu schwingen. Es wurden deshalb in den ersten Stunden lediglich vorgegebene Informationen aus dem Internet abgerufen. Mal ein Text, mal ein kurzes Youtube-Video. Da längst nicht jeder ein Smartphone (dabei) hatte, wurde darauf geachtet, genügend Offline-Material zur Verfügung zu stellen. So konnten weniger technikaffine Schüler, zunächst ohne das Internet oder in Partnerarbeit mit den Handybesitzern, die gleichen Lernerfolge erzielen.
2. Phase der forschen Aufrüstung
Diese Phase begann bei einigen Schülern bereits in der zweiten Stunde. Sobald klar war, dass man technisches Gerät nutzen durfte, wurde es auch herangeschafft. Bald waren immerhin bis zu vier Laptops parallel zu den bestehenden Schülerhandys im Einsatz.
Bei anderen stellte sich der Prozess deutlich später ein. In jedem Fall bleibt festzuhalten, dass ich nun, nach einem halben Jahr, eine Vollversorgung meines Kurses vorweisen kann. Jeder hat mindestens ein WLAN-fähiges Smartphone. Tablets sind übrigens interessanterweise nicht dabei!
3. Phase der Abschwächung
Diese Phase betraf nur die Schüler, die einen Laptop mitbrachten. Die schweren Geräte wurden nach anfänglicher Euphorie nun nicht immer und von jedem mitgenommen. Das hatte mehrere Gründe:
- Während die Einbindung von Smartphones ins Schülernetzwerkt ohne Probleme funktionierte, gab es bei den Laptops z. T. erhebliche Schwierigkeiten, da für die Einwahl in das Schulnetz ein Sicherheitszertifikat an äußerst versteckter Stelle eingefügt werden musste. Das nötige Prozedere für diese Einbindung war bei allen Betriebssystemen und Betriebssystemversionen unterschiedlich. Das erschwerte die Einbindung der Geräte erheblich. Fazit: Technik, die nicht funktioniert, nimmt man nicht mit.
- Manchmal wurden die Laptops mitgebracht, ohne dass damit (intensiv) gearbeitet wurde, bzw. das Smartphone hätte es auch getan. Fazit: Technik, die man nicht unbedingt braucht, nimmt man nicht mit.
- Häufig standen Informatikräume zur Verfügung, so dass der Unterricht stattfinden konnte, auch wenn die Schüler nicht ihre Laptops eingepackt hatten. Fazit: Technik, die man nicht unbedingt braucht … ach, das hatten wir schon.
- Die Dinger sind wirklich verflixt schwer.
4. Phase der Professionalisierung
Die Nutzung der Schülergeräte zur Informationsaufnahme wurde im Unterricht recht zügig ergänzt durch die Nutzung zur Erstellung eigener Inhalte. Mindmaps, Wikis, Slide- und Podcasts wurden erstellt, verschiedene Internetdienste genutzt. Die Lust zur Mediennutzung und -produktion war auf Schülerseite klar gegeben. Die Kompetenz wuchs zusehends. Und mit ihr auch die Ansprüche der Schüler. Und zwar erheblich. Sie sprengte schnell die Möglichkeiten, die die Smartphones boten. Wenn der Arbeitsauftrag die Erstellung eines kurzen Hörbeitrags vorsah, der mit der Aufnahmefunktion eines Handys hätte erledigt werden können, wurden von den Schülern teuer aussehende Studiomikrofone und Laptops mit Schnittsoftware aufgefahren.
Fazit:
- Medieneinsatz und -produktion ist bei den Schülern beliebt und bringt Motivation und Abwechslung in den Unterricht. Das wird von ihnen auch GANZ DEUTLICH kommuniziert.
- Schüler möchten möglichst professionelle Arbeitsergebnisse abliefern und streben nach hoher Funktionalität ihrer Geräte.
- Aber: beim Lesen/Video schauen reicht den meisten ihr Handy. Steht parallel dazu ein schuleigener, hochgefahrener Laptop bereit, wird von der Mehrheit das eigene Gerät bevorzugt.
- Auch wenn nur wenige Laptops im Kurs zur Verfügung stehen, kann Medienproduktion stattfinden. Dann meist in Gruppenarbeit, da z. B. die Erstellung eines komplexen Wirkungsgefüges auf einem Handy nur sehr bedingt möglich ist. Das klappt, macht aber nur bis zu einer gewissen Gruppengröße Sinn, da sonst nicht alle mitarbeiten (können).
Ausblick:
Da stehe ich nun, bin begeistert vom Elan meiner Schüler und von den Möglichkeiten, die mobile Endgeräte dem Unterricht bieten. Und doch bin ich erschrocken, wie schnell wir an die Grenzen gestoßen sind. Smartphones sind nett, man kann schöne kleine Sachen damit machen. Aber einem medial geschulten Kurs reicht das nicht. Die Funktionalität eines PC hat diese Gerätegattung halt nicht.
Gerne würde ich jetzt mit einem schuleigenen Klassensatz an 10-Zoll-Tablets weiterarbeiten. Vielleicht sind diese die Lösung für das Dilemma, dass auf der einen Seite Laptops eigentlich zu schwer sind, um sie für den Einsatz in lediglich einem Fach mitzuschleppen und dass auf der anderen Seite Smartphones nicht leistungsfähig und groß genug sind für anspruchsvolle Arbeit. Nur haben wir leider (noch?) keinen solchen Klassensatz ;-)
Die andere Möglichkeit wäre, die zwar geringen aber durchaus lohnenswerten Möglichkeiten der Smartphones gezielter einzusetzten und dafür auf die Qualität der Arbeiten zu verzichten. Bei einem ersten Versuch mit einem von Schülern erstellten “in-plain-english”-Videos hat das sehr gut geklappt. Auch ohne zusätzlich angeschlossene Profi-Mikrofone, Videoschnittsoftware oder mehrspuriger Audiobearbeitungsprogramme konnten feine Ergebnisse erarbeitet werden.
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